26.05.2020

Bund prämiert Medifly Hamburg

Der Transport von kritischem Gewebe von Krankenhaus zu Labor ist oft zeitaufwendig und sorgt für zusätzlichen Verkehr auf den Straßen. Medifly Hamburg widmet sich der medizinischen Luftfracht mittels Drohnen und hat den schnellen und sicheren Transport zwischen zwei Hamburger Krankenhäusern erfolgreich demonstriert. Für die Erprobung, die im Februar im Hamburger Luftraum stattfand, erhält Medifly Hamburg nun den Innovationspreis „Reallabore“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) in der Kategorie „Rückblicke“. In der zweiten Projektphase sollen bis 2022 weitere Strecken und medizinische Anwendungsfälle in Norddeutschland erprobt werden.

Im Rahmen von Testflügen zwischen dem Hamburger Bundeswehrkrankenhaus und dem Marienkrankenhaus demonstrierte Medifly Hamburg im Februar 2020 die Machbarkeit von medizinischen Transporten per Drohne, legte so den Grundstein für einen regelmäßigen Betrieb und qualifizierte sich damit für den Innovationspreis „Reallabore“ des BMWi. in der Kategorie „Rückblicke“. Verliehen wurde der Preis in Anwesenheit von Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, und Thomas Jarzombek, Beauftragter für die digitale Wirtschaft und Start-ups und Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt.

Ziel von Medifly Hamburg war es, herauszufinden, wie der Transport medizinischer Gewebeproben mittels einer Drohne zuverlässig, sicher und nachhaltig erfolgen kann. Solche Gewebeproben werden bei Bedarf im Rahmen medizinischer Eingriffe entnommen und müssen noch während der Operation durch einen Pathologen untersucht werden. Tatsächlich verfügen die meisten Krankenhäuser jedoch nicht mehr über eigene Pathologien, weshalb der Gewebetransport in ein anderes Krankenhaus bislang per Rettungswagen oder Taxi erfolgt. Dieser zeitaufwendige Prozess kann durch den Einsatz von Drohnen deutlich verringert werden, da das Ziel auf dem Luftweg direkt und unabhängig von der Straßenverkehrslage angesteuert werden kann. Hinter der ersten Projektphase von Medifly Hamburg standen als Partner FlyNex, GLVI Gesellschaft für Luftverkehrsinformatik, Lufthansa Technik und ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung. Assoziierte Partner waren die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, das Bundeswehrkrankenhaus und das Marienkrankenhaus.

Das BMWi versteht Reallabore als Testräume für gemeinsame Innovationen, die im geltenden Rechtsrahmen noch nicht berücksichtigt sind – die weitläufige Nutzung von Drohnen im urbanen Raum über längere Strecken und außer Sicht gehört dazu. Oftmals nutzen solche Reallabore zunächst rechtliche Ausnahmemöglichkeiten oder Sondergenehmigungen und tragen mit ihren Ergebnissen dazu bei, den Rechtsrahmen weiter zu entwickeln. Die Testflüge von Medifly Hamburg fanden in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden über bewohntem Gebiet und viel genutzten Verkehrswegen statt. Die Erprobung hat belegt, dass solche Flüge sicher und zuverlässig durchgeführt werden können.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Von autonomen Fahrzeugen, Drohnen und Zügen bis hin zu innovativen Lösungen für E-Government, digitale Identitäten und Logistik: Den Preisträgern des Innovationspreises Reallabore gelingt es auf vorbildliche Weise, digitale Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz oder Blockchain im Reallabor in die konkrete Anwendung zu bringen und damit Mehrwert vor Ort zu schaffen. Damit machen sie gleichzeitig anderen Unternehmen, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen Mut, eigene Innovationsprojekte umzusetzen. Doch auch die Politik ist gefragt: Viele Beiträge zeigen deutlich, wo neue Freiräume notwendig sind, um Erprobungsprojekte möglich zu machen.“

„Wir glauben an das Potenzial angewandter Luftfahrtforschung und entsprechend an die Chancen, die in der sicheren Erprobung unbemannter Luftfahrtsysteme stecken – besonders für unsere Gesellschaft und die Anwender. Darum freuen wir uns, dass solche „Labore in der Luft“ wie Medifly Hamburg mit dem Innovationspreis Reallabore eine entsprechende Anerkennung erhalten,“ kommentiert Boris Wechsler vom ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung die Prämierung. „Hamburg kann mit Projekten wie Medifly eine Vorreiterrolle einnehmen, beispielsweise beim Transport von Gewebeproben oder Medikamenten.“

In den nächsten Monaten möchte Medifly Hamburg an die erfolgreiche Erprobung der medizinischen Transporte per Drohne anschließen und das Projekt auf weitere Streckennetze in Norddeutschland erweitern. Im Fokus der zweiten Projektphase sollen regelmäßige Transporte zwischen weiteren Krankenhäusern stehen.

Medifly Hamburg ist eine erfolgreiche Auskopplung aus dem von Hamburg Aviation geleiteten Drohnennetzwerk Windrove. 2018 wurde Hamburg als erste deutsche Metropole Partner-Region der europäischen Urban Air Mobility-Initiative.

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